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Alle hier geschriebenen Texte (c) Kilian Braun 2009 - 2018 (wenn nicht anders angegeben)

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Montag, 21. Mai 2018

RPG-Blog-O-Quest #32: Dafür liebe ich meine (Mit-)Spieler!

Die RPG-Blog-O-Quest für den Monat Mai wird von richtig Spielleiten angeboten und richtet sich an die (Mit-)Spieler, was ich eine ganz tolle Idee finde. Gerade beim Pen&Paper-Rollenspiel ist es entscheidend, wer sich da am Tisch zusammengefunden hat, damit einer vergnüglicher Spielabend entsteht. Es gibt so viele verschiedene Spielmöglichkeiten eines Rollenspiels - Darsteller, Geschichtenerzähler, Regelexperte, um nur einige zu nennen - und alle sind auf ihre Art irgendwo richtig. Entscheidend ist es, dass jede Spielrunde für sich harmonisiert und sich in der Ausübung des Spieles zumindest im Großen und Ganzen einig ist. Hat man da Menschen gefunden, mit denen das klappt, kann und sollte man sehr dankbar sein. Genug der Vorrede, hier kommen die Fragen:

1. Man hat ja oft eine Vorstellung, wie eine Szene ablaufen könnte. Spieler sind legendär dafür, oft völlig unerwartete Wege zu finden. Was war für dich die tollste Abweichung?
Abweichungen im Abenteuer entstehen im kleinen wie auch im großen Stil und erfordern hohe Flexibilität und auch Improvisationstalent vom Spielleiter. Bei Sandbox-Abenteuern sind Abweichungen leichter abzufangen, als bei starkem Railroading. Ich kann mich jetzt sponan nur an zwei Abweichungen mit mir als Spieler erinnern. Bei der einen Sache war ich ein stolzer Novadikrieger im DSA-Universum und uns hatte es ins Bornland verschlagen (ich meine, es war das Abenteuer "In Liskas Fängen"). Gleich zu Beginn, als Auftakt ins Abenteuer gedacht, gab es eine Begegnung mit jemandem, der mit dem Gesetz in Konflikt geraten war (genaueres weiß ich leider nicht mehr). Aber statt sich auf seine Seite zu stellen, seine Geschichte zu hören und damit ins Abenteuer einzusteigen, hat mein Novadi ihn der örtlichen Obrigkeit übergeben - das Abenteuer war damit beendet! Das war sicherlich ein ernüchterndes Erlebnis für den damaligen Spielleiter, aber toll war, dass er es nicht unterbunden hat und mich bzw. die Gruppe ins Abenteuer gezwungen hat.

Das andere Mal, auch DSA, hatten wir teilweise Rollenspiel-Neulinge in der Gruppe (als Spieler) und als Einsteigerabenteuer wurde, ganz simpel, jemand entführt (die Händlerstochter) und es wurde Lösegeld gefordert. Innerhalb der Heldengruppe wurde lange debattiert, wie und wo das Geld übergeben werden könnte, bis ich, angesichts des verzweifelten Gesichtsausdrucks des Spielleiters, vorgeschlagen habe, man könne doch die Tochter auch befreien ... Der Spielleiter war sichtlich erleichtert :)

2. Huch, grober Fehler: Regel falsch angewendet, keine Idee, wie es weitergeht, Blackout, Liebeskummer - wie hat dein (Mit-)Spieler die Situation gerettet?
So etwas lief in meinen Runden immer angenehm unkompliziert. Entweder wurde mittels eines Probenwurfs ein weiterer Hinweis gestreut, die richtige Regelanwendung kurz für das nächste Mal geklärt, oder letztens hatten wir sogar einen rollback einer Situation und haben sie regeltechnisch richtig gespielt. Ewige Regeldiskussionen und Nachschlagen empfinde ich als Atmo-Killer und sollte auf ein Minimum reduziert werden. Für manche ist das korrekte Bedienen des Regelwerks jedoch sehr wichtig, was zur Frage 3 führt.

3. Ganz abstrakt: Wer sitzt an deinem Spieltisch? Taktiker oder Dramaqueen, Rechtsanwältin oder Grafikdesigner, Vater oder Tochter - keine Namen, sondern Typen.
Jeder ist nicht nur als realer Mensch eine bestimmte Wesensart, sondern auch als Spieler. Wie in meiner Einleitung angesprochen gibt es teils völlig unterschiedliche Methoden, ein Rollenspiel zu spielen. Manches ist komplett gegenläufig, z. B. Darsteller - Regelpedant. Die hohe Kunst ist es, beiden gerecht zu werden, damit beide den Spielabend als angenehm empfinden. Bei mir am Tisch sind wir erfreulicherweise alle sehr ähnlich, und einzelne leicht abweichende Punkte sind da nicht hinderlich, sondern bereichernd. Überwiegend besteht großes Interesse am Ambiente und darstellenden Spiel, aber z. B.  Kämpfen, würfeln und Schaden austeilen, machen wir auch alle ganz gern. :) Im realen Leben sind wir in allen Berufssparten zu finden ("Wir sind überall, muhahahah!!!11" :D)

4. Auch abseits des Spieltisches sind Spieler Menschen und oft auch Freunde. Was hat dich im echten Leben am meisten an den Mitspielern beeindruckt?
Der Umgang mit Krisen ist eine große Herausforderung und bringt jeden oft mühelos an persönliche Grenzen. Einem meiner Mitspieler ist hier beziehungstechnisch etwas widerfahren, was man bestenfalls in einer einfältigen, billigen Soap Opera erwarten würde, aber nicht in Wirklichkeit. Beeindruckt hat mich sehr, wie er trotz aller Unfassbarkeit der Geschehnisse mit Ruhe und letztendlich Besonnenheit alles ausgehalten hat und immer noch managed. Ich wäre vermutlich komplett ausgerastet, käme ins Arkham Asylum, oder hätte mich gleich in den Dritten Kreis der Verdammnis begeben ...

5. Welche Aktion deiner (Mit-)Spieler ist für dich das großartigste, unvergesslichste, bereichernste, albernste, unerwarteste gewesen, was du je erlebt hast?
Solche Momente entstehen so oft, dass man sie sich kaum alle merken kann. Oftmals ist es gerade die Situation, die einer Sache die o. g. Aspekte verleiht. Ich habe hier nur Fragmente zu bieten: Wir hatten mal in einem Schlafsaal in einer Taverne eine Laterne, die in einem quietschenden Scharnier hing und uns könglich darüber amüsiert, wenn jemand dagegen stieß und die Leute reihum deswegen ausgerastet sind. Eine Amazone, die mit gerade mal 6 Lebenspunkten (es war DSA 4, also kurz für Handlungsunfähigkeit bzw. Tod) noch in die Schlacht geritten ist (die Heldin ist im Kampf gefallen). Ein Thorwaler, der bei einem Raubüberfall auf das Nachtlager als einer der wenigen noch stand, einem seiner im Sterben liegenden Gefährten das Verbandszeug mit dem Fuß auf die Wunde presste, weil er weiterkämpfen musste (wie es ausging, weiß ich leider nicht mehr).


Bei der Frage 5 geht es um "epic moments", die ein wunderbarer Aspekt beim Pen&Paper-Rollenspiel sind und einer der Gründe, warum ich dieses Hobby seit gut 20 Jahren betreibe. Das Ganze steht und fällt jedoch mit tollen Mitspielern/Menschen/Freunden, mit denen man Zeit verbringt und diese tollen Momente teilt. Deswegen hier zum Abschluss ein großer Dank an meine aktuelle Spielrunde, die von allen bisherigen in dieser Besetzung die beste ist. ;)

Das war sie, die RPG-Blog-O-Quest für Mai.
Was sind eure Erfahrungen und Erlebnisse mit (Mit-)Spielern?
Schreibt mir gern in den Kommentaren!

Montag, 14. Mai 2018

Das war die Role Play Convention 2018

Am vergangenen Wochenende fand die RPC 2018 in Köln statt und ich war dabei! 2016 war ich zum ersten Mal auf der RPC gewesen und von der Veranstaltung restlos begeistert. Ich hatte es sehr bedauert, nur einen Tag Zeit gehabt zu haben, und dieses Mal wurde das gesamte Wochenende eingeplant. Am Samstag durfte ich das Lesecafé, organisiert vom Verlag Feder & Schwert, eröffnen und hatte die Sorge, dass um 10:30 Uhr kaum jemand zu einem unbekannten Autor wie mir kommen wird. Glücklicherweise hat sich doch eine kleine, aber feine Runde eingefunden und alle dürfen sich über ein E-Book von mir freuen, da der hockebooks Verlag freundlicherweise 10 E-Books zur Verlosung unter den Lesungsteilnehmern zur Verfügung gestellt hat.

Danach ging es freudig in den Trubel der Messe und ließ mein Nerdherz höher schlagen. Wer die RPC nicht kennt: Es fühlt sich in etwa so an, als würde man die Cantina am Mos Eisley Raumhafen betreten. :) Aber seht selbst:








Wart ihr auf der RPC 2018? Wie ist es euch ergangen? 
Schreibt mir gern in den Kommentaren!

Dienstag, 1. Mai 2018

Dungeons & Dragons Spielrunde: Die Dritte Legion

Vor fünfhundert Jahren wurden die Freien Völker zu den Waffen gerufen. Es galt das Land von den umherziehenden Monstern und Kreaturen zu befreien, damit auf den Trümmern der alten Welt neue Siedlungen entstehen konnten. Zwei Legionen wurden aus den Freiwilligen gebildet, die unerschrocken loszogen. Aber selbst im gut zugänglichen Teil des Landes waren die Verluste so hoch, dass nur ein Bruchteil dessen befriedet werden konnte, als ursprünglich angedacht war. Die Verletzten kehrten verletzt und für immer gezeichnet nach Hause zurück, aber ihr Opfer war nicht umsonst. Das freigekämpfte Land bot eine neue, fruchtbare Heimat für die folgenden Generationen.

Erst Jahrhunderte später wurden Aufzeichnungen gefunden, die besagen, dass es damals noch eine dritte Legion gegeben hat. Diese hatte zur Aufgabe, Sphärenrisse zwischen Selestya und der Unterwelt zu finden, zu verschließen und dauerhaft zu bewachen. Eintausend Frauen und Männer wurden für diese Aufgabe abkommandiert.

Man hat nie wieder von ihnen gehört.

Anlässlich des diesjährigen Tabletopdays habe ich als DM einen Oneshot angeboten, den wir jedoch kurzerhand als weitere Episode an unsere Kampagne drangehängt haben. Der Fluff oben war der Teaser-Text für den Storyabschnitt unter meiner DM-Obhut. :) Meine Figur Jindaar (Dragonborn Fighter) habe ich daher vorläufig in den Hintergrund treten lassen, da ich als DM keinen SC steuern möchte. Im Folgenden spricht also diesmal jemand anderes, den die Spieler getroffen haben.

Ich erinnere mich noch genau an meinen Tod. Es war ein lauer Sommerabend gewesen und wir wähnten uns in Sicherheit - ein fataler Fehler. Zuvor waren wir drei Monde ohne nennenswerte Pause marschiert, haben das Grasland nach den Dunkelhunden, wie wir sie nennen, durchkämmt. Sie verstecken sich gern in Senken und lauern tief geduckt im hüfthohen Gras. Einer dieser vermaledeiten Sphärenrisse musste hier irgendwo sein, zumindest zeigte es der Kympys an, den wir bekommen hatten. Eine kleine Gerätschaft, die finstere Magie der Unterwelt aufspüren kann und mit einer Nadel die Richtung weist. Dämonenkreaturen konnte das Artefakt jedoch nicht erkennen. Das achte Banner marschierte geradewegs auf den Sphärenriss zu, und wurde urplötzlich von allen Seiten von den Dunkelhunden angegriffen. Alle starben. Einfach so, hundert tapfere Männer und Frauen. Tot.

Längst war uns klar, dass wir, die Sphärenrissjäger, die gefährlichste aller Aufgaben übernommen hatten. Wir waren fern der Heimat, wir mussten weit ins Feindesland, um den Strom der Dämonenkreaturen zu stoppen. Wir zahlten den höchsten Blutzoll, und so mancher sagte, dass es nie vorgesehen war, dass wir zurückkehrten. Mittlerweile konnte ich nicht mehr widersprechen. Dass wir aber so enden würden - das war mir nicht klar. Es ist Segen und Fluch zugleich. Eine ehrenvolle Aufgabe, die uns zu ewigem Untoten-Leben verurteilt.

Ich bin Crannog, Kommandant des 3. Banners der Dritten Legion, und seit fünfhundertzweiundzwanzig Jahren tot.

Wir hatten gelernt wie wir die Hunde bekämpfen konnten. Man muss sie auseinandertreiben, denn im Rudel sind sie besonders stark. Obwohl sie beeindruckende Klauen haben, greifen sie bevorzugt mit Bissen an, was sie in Reichweite unserer Waffen zwingt. Mit schnellen kurzen Hieben kann man sie auf Abstand halten und töten. Aber die Sphärenrisse spucken immer neue Höllenkreaturen aus. Eine von ihnen ist der Knochenteufel, Gebeinwandler oder Verderbnisläufer genannt. Eine schreckliche, übermannsgroße Kreatur, welche die Höllenhunde in ihren Eingeweiden in diese Welt zerren kann und sich ein Rudel aufbaut, mit dem sie dann durch das Land zieht, um Tod und Verderben zu verbreiten. Ein Gebeinwandler war es, der uns überraschte. Er hatte es geschafft, dass sich seine Hunde lautlos anschlichen und uns aus dem Hinterhalt angriffen. Wir starben alle, innerhalb weniger Minuten, und doch war es nicht das Ende, sonst könnte ich darüber gar nicht berichten.

Nachdem die unheilige Horde weitergezogen war, erschien eine Gestalt. Es war eine Frau, in leichter Rüstung und mit nur einer Klinge an ihrer Seite, und dennoch war sie als Kriegerin zu erkennen. Ein beständiger Schimmer ging von ihr aus, umspielte sie und machte deutlich, dass hier keine Sterbliche wandelte.
"Erhebt euch, Gefallene."
Der Ton ihrer Stimme duldete keinen Widerspruch, auch nicht vom Tod. Also richteten wir uns aus, stemmten uns aus unseren Blutlachen wieder auf die Beine.
"Ihr, die ihr die Welt von dem Übel zu befreien habt, dürft nicht sterben. Euch ist es bestimmt, weiterzumachen, bis euer Dienst nicht mehr benötigt wird."
Wir sahen uns an, geschockt und sprachlos ob unserer Wiedergeburt als wandelnde Tote.
"Wie lange wird das sein?", brachte ich es schließlich fertig, zu fragen.
"Das weiß niemand. Nicht einmal ich."
"Wer bist du?"
Sie sah mich hoheitsvoll an. "Nenne mich Irdy, Gefallener. Dereinst war ich eine Göttin der alten Welt, bis diese verging. Die Zeit der alten Götter ist vorüber ..." Ihr Blick wurde hart und streng, und ich bekam Angst. Mir wurde klar, dass sie unser Leben ebenso leicht wieder nehmen konnte, wie sie es uns zurückgegeben hatte. "Wisse eines, Gefallener. Ich bin nicht dein Freund. Ich bin nicht dein Retter. Du lebst, um den Kreaturen der Unterwelt Einhalt zu gebieten. Deine Existenz ist fortan nur geduldet, nicht erwünscht. Ist das klar?"
"Ja." Ich war nicht in der Lage, den Blick zu heben.
"Ich kann nicht alle retten. Aber einige schon, und du hast das Pech, zu denjenigen zu gehören. Für andere der Dritten Legion ist die Anstrengung und das Mühsal vorüber. Sie haben es hinter sich. Für euch fängt es gerade erst an."

War das fair? Hatten wir um Auferstehung gebeten? Warum wurde gerade uns diese ...
"Bringe deine Gedanken zum schweigen! Es ist fortan deine Aufgabe und du wirst sie erfüllen. Verstanden?"
Ich bekam eine erste Vorstellung, was das bedeutete. Womöglich jahrhunderte lang rast- und ruhelos umherzuziehen, sich wieder und wieder den dunklen Kreaturen entgegenzustellen. Zu sterben und doch wieder aufzustehen. Bis es vorbei war.
"Ja."
"Gut. Dann geh mit deinen Leuten und erfülle deine Pflicht."

Seither durchstreifen wir das Land, immer wieder. Die Sphärenrisse wurden weniger, aber gefährlicher. Sie standen im Fokus der Unterwelt, und immer wieder gelang es einzelnen Geschöpfen hindurchzuschlüpfen. Insbesondere die Verderbniswandler wurden zum Problem. Sie waren gerissen, lernten dazu und suchten sich Verstecke in der Welt. Dort harrten sie aus, oft jahrelang, wähnten den Landstrich in Sicherheit, bis sie eines Tages zuschlagen würden. Wir konnten Sphärenrisse aufspüren, aber nicht die Verstecke der Verderbniswandler. Das 2. Banner teilte dasselbe Schicksal wie wir, und auf unseren Patrouillen trafen wir uns regelmäßig.

Als sie eines Tages verschwunden waren, wussten wir, dass etwas in der Region nicht stimmte. Wir vermuteten einen Verderbniswandler in der Gegend, konnten ihn aber nicht finden. Eine Gruppe Abenteurer, einfache Sterbliche, hatte ihn vermutlich durch Zufall aufgescheucht und mit Mühe waren
sie erst den Dunkelhunden, dann dem Verderbniswandler entkommen. Nun würden sie erleben, was für uns seit Ewigkeiten Alltag war. Nun würden sie erleben, mit welcher Schrecklichkeit die Verderbniswandler das Land überziehen, nur um zu einem Sphärenriss zu gelangen, diesen aufzureißen und den endlosen Horden der Unterwelt Tür und Tor zu öffnen. Nun würden sie mit ansehen, wie Unschuldige starben, wie tapfere Sterbliche gegen sie kämpften und doch unterlagen. Nun würden sie erkennen, dass die Welt ohne die Dritte Legion längst untergegangen wäre.

Wir werden ihnen helfen, aber ich befürchte, wir sind zu wenige. Ich befürchte, wir werden diesmal unterliegen.

Hier wird überwiegend erzählerischer Hintergrund geliefert, der auch als Außenstehender (hoffentlich) lesenswert und unterhaltsam ist. Im letzten Abschnitt wird etwas von dem Verlauf des Abenteuers angedeutet, wobei erst ca. die Hälfte gespielt worden ist. :)








Dienstag, 17. April 2018

RPG-Blog-O-Quest #31: Schwerter und Kanonen

Die April-Ausgabe 2018 der RPG-Blog-O-Quest #31 trägt den Titel "Schwerter und Kanonen", folgerichtig dreht es sich diesmal um Waffen. Ausgerichtet wird diese Quest von runway61 und hier sind meine Antworten:

Zunächst zwei Fragen zum persönlichen Background:

a. Welches Regelwerk spielst du am liebsten / häufigsten?
Mir gefällt momentan das Regelwerk von D&D 5. Edition sehr gut (wobei ich die vorherigen nicht kenne, also damit nicht vergleichen kann), und Star Wars: Macht und Schicksal.

b. Beschäftigst du dich auch sportlich mit Waffen? Zum Beispiel Bogenschießen, Kendo oder bist du Sportschütze?
Ich habe mich einige Jahre mit europäischem, historischem Fechten befasst (Schwert, langes Messer und Dolch), generell betreibe ich seit vielen Jahren Kampfsport bzw. Selbstverteidigungstraining. Das Waffentraining beinhaltet hier Messer und Stockkampf (Einzelstock, Doppelstock).

Jetzt kommen die Fragen:

1. In DnD unterscheiden sich die einzelnen Waffen fast nur durch ihren Schadenswürfel, in Splittermond hat eine Waffe mehr Stats als Charaktere in anderen Systemen. Shadowrun hat ganze Waffenbücher während es in Fate Core kaum einen Unterschied macht, ob man mit Fäusten, Schwertern oder schweren Maschinengewehren kämpft. Wie wichtig sind dir viele verschiedene Waffen? Wie lange ist die ideale Waffenliste?
Hier gilt bei mir: keep it simple. Ich brauche keine unzähligen Waffenarten, Gattungen und Variationen, die in ellenlangen Waffenlisten präsentiert werden. Für mich reicht eine solide Grundauswahl völlig aus, denn bei Bedarf eigene zu kreieren, ist eigentlich immer möglich. Die ideale Waffenliste passt bei mir auf eine DIN-A4-Seite.

Als Romanautor überlege ich für das Setting, welche Waffen bzw. Waffengattungen es grundsätzlich gibt. Zur echten Erwähnung bzw. Anwendung kommt aber immer nur ein Bruchteil davon, d. h. eine komplette Auflistung zu machen, wäre zwar möglich, braucht es aber nicht.

2. Die Artussage wäre nicht komplett ohne das Schwert Excalibur. Hat in deiner Rollenspielerfahrung schon mal eine Waffe eine ganz zentrale Rolle gespielt?
Bewusst erinnern kann ich mich nur an Siebenstreich bei der DSA-Borbarad-Kampagne. Ansonsten lag mein Fokus, und offenbar auch der meiner Spielrunden, immer woanders.

Ich habe bislang noch keine Geschichte geschrieben, bei der eine Waffe eine zentrale Rolle gespielt hat. Das könnte sich aber durchaus nochmal ändern, allerdings wäre dann eine bestimmte Waffe wahrscheinlich nur wichtiger Bestandteil, nicht der Dreh- und Angelpunkt. Ansonsten käme es dann doch sehr klischeehaft daher ("der eine legendäre Drachentöterspieß muss gefunden werden, um ...").

3. Dein Wüstenkrieger ist fertig erstellt, fehlt nur noch die Ausrüstung. Ikonisch wäre als Waffe natürlich ein Krummsäbel, aber die Wikingeraxt macht viel mehr Schaden! Wie sehr gerätst du in Versuchung?
Gar nicht. Wenn ich mir eine Figur samt Herkunft, Abstammung, Beruf, etc. ausgesucht habe, möchte ich diese auch im Rollenspiel darstellen. Und dazu gehört natürlich auch die passende Ausrüstung. Sollte der Charakter im Rahmen eines Abenteuers auf große Fahrt gehen, ließe sich natürlich erklären, dass er mit fremden Waffen in Kontakt kommt und diese womöglich sogar gut findet. Aber das zielt auf das Min-Max-Prinzip ab, was ich als eher darstellender Spieler überhaupt nicht verfolge.

Beim Schreiben einer Geschichte sind jedoch Abweichungen von der Norm durchaus möglich und auch wünschenswert, um Aufmerksamkeit zu erregen. Warum besitzt der Südländer eine Wikingeraxt? Welche Geschichte kann er dazu erzählen? Figuren können damit also spannend und interessant gemacht werden, allerdings muss eben auch eine stimmige Erklärung geliefert werden, sonst wirkt es willkürlich.

4. Feuerwaffen in Fantasy/Fäntelalter-Settings finde ich _________ weil…
Mit so etwas bin ich noch nicht in Berührung gekommen. Es sollte grundsätzlich zum Setting passen und deren Verbreitung/Gestaltung/Anwendung plausibel und in sich stimmig sein. Wenn es also gut eingebunden ist, hätte ich prinzipiell nichts dagegen, müsste aber erst im Feldversuch feststellen, ob mir das zusagt. Bislang assoziiere ich mit Feuerwaffen nur Sci-Fi- oder Endzeitsettings.

5. Egal ob Bogen oder Sturmgewehr: wie haltet ihr es in euren Runden mit der Munition? Wird der Verbrauch nachgehalten? Muss neue Munition gekauft / gebaut / gelootet werden?
Hier kenne ich sowohl Strichliste pro abgeschossenen Pfeil (inklusive später dem Suchen und Einsammeln), als auch das Spiel ohne wirkliches Mitzählen. Ich tendiere stark zu letzterem, da es mir als Ambientespieler mehr zuträglich ist, als zeitraubendes und bremsendes Probenwürfeln für Munitionsanfertigung, das Suchen der verschossenen Pfeile und womöglich Regeldiskussionen. Grundsätzlich möchte ich eine Geschichte erleben oder als DM eine spannende Geschichte präsentieren, keine Betreiben des Regelwerks. Die Gefahr besteht hierbei natürlich, dass Magazine und Pfeileköcher nie leer werden, und man womöglich Powergamig fördert. Die Spielrunde muss sich also in diesem Punkt einig sein, wie dieses Thema gehandhabt wird, denn wenn einer verschossene Pfeile mitzählt, und der andere nicht, wird es schwierig.

Bei diesem Punkt muss vermutlich von Genre zu Genre unterschieden werden. Verwendet man bekannte Waffenmodelle in seinem Setting, sollte die Magazinkapazität durchaus eine Rolle spielen. Auch der unendliche Pfeileköcher darf schon mal leer werden, allerdings muss sich das anbahnen. Wenn urplötzlich die Hand ins leere greift, ist es nur ein schwacher Versuch, künstlich Dramatik aufzubauen. Wenn aber dargelegt wird, wie die Pfeileanzahl rapide abnimmt, wie die Pfeile immer lockerer im Köcher umherwackeln, weil es immer leerer wird, wie der Schütze mit rasand wachsender Angst gedanklich die letzten Pfeile mitzählt, und immer noch Feinde da sind - das könnte funktionieren. :)

Bonusfrage: Die ungewöhnlichste Waffe, mit der einer meiner (N)SCs je einen Gegner überwältigt hat, war…
Da ich dem ganzen Thema Waffen nur wenig Beachtung schenke (früher war das sicherlich anders, aber es war nie wirklich stark ausgeprägt), kann ich an dieser Stelle leider keine Anekdote zum Besten geben.

Das war wieder ein spannendes Thema und wie immer ein Vergnügen, zu antworten :)