Freitag, 8. September 2017

RPG-Blog-O-Quest #24: Charaktere

Nachdem ich über die tolle Aktion RPG-Blog-O-Quest aufmerksam geworden bin, und ich immer Inhalte für meinen Blog suche, möchte ich mich da gern beteiligen. Für mich als Phantastikautor geht Rollenspiel und Schreiben hand in hand, beides unterstützt und trägt sich gegenseitig. Für den Monat September lautet das Thema "Charaktere", welches ich auch stark auf meine schriftstellerische Tätigkeit beziehen kann. Hier sind die Fragen und meine Antworten dazu:

1. Nach welchen Gesichtspunkten und aufgrund welcher Inspirationen baust du deine Charaktere?
Für ein Rollenspiel verwende ich unterschiedliche Herangehensweisen: Für einen Oneshot bzw. eine einmalige Kampagne entsteht die Figur nur oberflächlich mit wenig Background. Bei regelmäßiger Verwendung kann der Hintergrund natürlich wesentlich ausführlicher werden, allerdings habe ich da zumindest beim Rollenspiel mittlerweile so meine Schwierigkeiten. Steckt viel Arbeit in einer Spielfigur, läuft sie selten Gefahr, wirklich aus dem Spiel auszuscheiden. Diese inoffizielle Überlebensgarantie hemmt ein wenig die Spannung, daher gebe ich mittlerweile bei Rollenspielen meinen Charakteren einen soliden, aber knappen Background, der etwas bietet, aber wenn die Figur weg ist, ist nicht stundenlange Arbeit dahin.

Für Romane und Kurzgeschichten sieht das natürlich ganz anders aus. Hauptfiguren gestalte ich ausgesprochen ausführlich, neben dem äußeren Erscheinungsbild erhalten sie einen Lebenslauf von Geburt an. Nebenfiguren bekommen die Kurz&Knapp-Variante davon (ähnlich wie für ein Rollenspiel).

Worauf kommt es mir an? Das reale Leben hat Höhen und Tiefen, Freude und Leid, Erfahrungen prägen, Menschen kommen und gehen und genau das brauchen Charaktere auch, wenn sie plausibel und stimmig sein sollen. Tritt eine Figur in die Geschichte ein, bringt sie ihr ganzes bisheriges Leben mit und innere wie auch äußere Konflikte geben der Figur eine spezielle Note. Zu Beginn meiner Rollenspielzeit habe ich oft Filmfiguren nachgebaut, heute entstehen sie unabhängiger, wobei sich fast nicht verhindern lässt, eine gewisse Ähnlichkeit irgendwo zu finden.

2. Was fällt dir am Leichtesten bzw. am Schwersten beim Charakterbau und warum?
Grundsätzliche Ideen für Figuren zu haben ist für mich meist kein Problem, schwierig finde ich, nicht in die üblichen Klischeefallen zu tappen. Mal etwas Neues, Unbekanntes zu finden, ist nicht so einfach. Ich halte mich hier auch gern an den Grundsatz: "Lieber originell nacherzählt, als schlecht neu erfunden", will heißen, etwas Bekanntes in neuem Gewand und Zusammenhang ist womöglich besser, als auf biegen und brechen etwas Neues erfinden zu wollen. Bei einem Rollenspiel habe ich für gewöhnlich die Werte und Eigenschaften schnell ermittelt (weil die mir zweitrangig sind), dafür kann ich schon mal länger über der "Moral & Verpflichtungen"-Auflistung brüten.

3. Recycelst du gelegentlich Charaktere, die du in einer früheren Runde schon einmal gespielt hast, für neue Runden und warum oder warum nicht?
In die Verlegenheit bin ich schon lange nicht mehr gekommen. Ich denke, ich würde für jede Runde eigene, neue Figuren erschaffen. Jede Spielrunde hat ihren eigenen Spielstil, und dem passen sich auch die Charaktere an. Wenn sehr regellastig gespielt wird, sind optimale Spielwerte, Ausrüsstung, Talente und Fähigkeiten sehr relevant und in die Entwicklung der Figur eingeflossen, in anderen Runden mit mehr Storytelling eben nicht. Außerdem gefällt mir eine gewisse Absprache, wer welche Art von Figur spielt, um Dopplungen zu vermeiden.

Bei Romanen in derselben Welt dürfen durchaus bereits bekannte Figuren "mal durchs Bild laufen", oder sogar eine größere Rolle übernehmen, aber nur, wenn es der Story zuträglich ist. Ansonsten gilt: neuer Roman, neues Personal.

4. Wie stehst du zum Charaktertod? Darf dein Charakter sterben bzw. unter welchen Umständen?
Die Frage habe ich schon fast bei der ersten Frage beantwortet. Früher gefiel mir das ehrlich gesagt überhaupt nicht, heute sehe ich das anders. Gerade der drohende Tod der Figur in manchen Situationen (z. B. ein Kampf, eine Kletterpartie) liefert bisweilen hochspannende Momente. Viele Spielsysteme bieten über Schicksalspunkte die Möglichkeit, einen letzten Ausweg zu erhalten, daher dürfen und sollten hin und wieder aktute Gefahren durchaus auftreten. Die Todesumstände richten sich nach der Spielewelt: Wenn ein Krieger in einer Fantasywelt den Rückzug der Gruppe ermöglicht, oder mit letzter Kraft den Erzfeind besiegt, ehe er dahinscheidet, ist dies sicherlich akzeptabel. Oder bei Call Of Cthulhu schlussendlich dem Wahnsinn anheim zu fallen, passt einfach in das Szenario und erhöht den Druck und das Spielerlebnis für die anderen Spieler.

Bei Romanen entscheide ich meist schon bei der Planung, wer es letztendlich schafft, und wer nicht. Bislang ist es mir noch nicht passiert, dass eine Figur, der Logik der Geschichte folgend, unverhofft dem Tod ins Auge blickt.

5. Was bedeutet Charakterentwicklung für dich?
Charakterentwicklung ist für mich bei meinen Geschichten enorm wichtig geworden. Gerade meine Hauptfiguren sollen sich bisweilen sogar deutlich wandeln und als jemand anderes aus der Geschichte hervorgehen, als sie hineingegangen sind. In welche Richtung sie sich entwickeln ist jedoch völlig offen bzw. von der jeweiligen Geschichte abhängig.

Beim Rollenspielen ist gemäß meinem Spielstil - Schwerpunkt Storytelling - die Entwicklung der Figur ebenfalls sehr wichtig. Hier hat sich auch gezeigt, dass ein eher rudimentärer Background mehr Spielraum, mehr Anknüpfmöglichkeiten bietet, als beispielsweise ein klar definierter Konflikt, der zwar immer noch aktiv ist, aber nichts mit dem aktuellen Abenteuer oder der Mission zu tun hat. Ist man hier noch freier, kann man aktuelle Geschehnisse einfacher aufgreifen und seine Figur damit prägen.

Bonusfrage: Der ___ Charakter, den ich je ____, war ____, weil ____
Der eindrucksvollste Charakter, den ich je gesehen habe, war Heath Ledgers Interpretation und Darstellung des Jokers in The Dark Knight. Ledger hat das Chaos und den Wahnsinn der Figur perfekt widergespiegelt. Auch ohne wirklichen Background zu erfahren ("Möchtest du wissen, woher diese Narben stammen?") funktioniert die Figur tadellos und wirkt auf mich eindrucksvoller, als der muskulöse Batman in dunkler Rüstung. Hinzu kam Ledgers herausragendes Schauspieltalent, mit dem er eine derart intensive Präsenz erzeugte, die den restlichen Cast ungewollt zu Nebendarstellern degradiert hat. Heath Ledgers früher Tod ist ausgesprochen tragisch. Ich bin mir sicher, dass er noch viele weitere unglaublich gute Rollen gespielt hätte.

Kommentare:

  1. Oh, ich sehe ja jetzt erst, dass du dich auch an der RPG-Blog-O-Quest des September beteiligt hast! Es war reiner Zufall, dass ich auf deinen Beitrag jetzt, nach Ende des September, doch noch gestoßen bin, aber ich möchte mich herzlich für die Teilnahme bedanken! :)
    Schön, dass du (als einziger Teilnehmer) auch aus Autorensicht auf die Fragen eingegangen bist - ich hatte beim Stellen der Quest tatsächlich gehofft, dass ich auch den einen oder anderen Schreiber dazu bringen könnte, nicht nur als Rollenspieler, sondern auch als Autor zu antworten, und den Unterschied zwischen den beiden Perspektiven finde ich sehr interessant. Also vielen Dank dafür! :)

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  2. Hallo Timberwere,

    ja, ich habe mich still und leise einfach mal daran beteiligt, da ich die Fragen sehr interessant fand und es mir Spaß gemacht hat, sie zu beantworten. Ich werde gern an weiteren RPG-Blog-O-Quests teilnehmen, auch wenn ich kein reiner RPG-Blog bin :)

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