Dienstag, 21. April 2015

Leseprobe Sci-Fi-Kurzgeschichte "Überwachung dringend empfohlen"



Leseprobe "Überwachung dringend empfohlen"
Sci-Fi-Kurzgeschichte (c) Kilian Braun 2015
 
„Vor dem Untersuchungsausschuss 025-8-21 des R4-Quadranten ist Major General Ryan James Miller erschienen, Kommandant der Seeker, Kennung 0225.“
Miller fuhr sich durch seine kurzen braunen Haare und bemühte sich, die Übernächtigung aus seinem unrasierten Gesicht zu verdrängen, um halbwegs gewinnend dreinzublicken. Die Luft in dem Raum war muffig, scheinbar funktionierte die Belüftungsanlage nicht richtig. Miller hatte auf dem PD, wie der zentral platzierte Tisch für den Delinquenten in Soldatenkreisen genannt wurde, Platz nehmen dürfen. PD stand für „pans down“ und wer hier saß, musste bei Fragen zu einem Sachverhalt im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen runterlassen. Hinter ihm befanden sich einige Sitzgelegenheiten sowie mehrere Kameras an den Wänden. Die Anhörung war nicht öffentlich, daher waren die Plätze leer und die Kameras boten keinen Livestream für Zuschauer. Vor dem PD befand sich eine Tribüne mit langem Pult, an dem drei der acht Plätze besetzt waren. Hier saß der Untersuchungsausschuss, immer angeführt von einem Investigator der Interstellar World Federation. Anna Stone war in Millers Fall die Vorsitzende und hatte noch einen Mann in gehobenerem Alter in Militäruniform mit reichlich Orden und Auszeichnungen sowie eine Mittdreißigerin im typischen Politikeranzug in den Ausschuss berufen. Alle hatten neben einem Glas Wasser SmartPads vor sich aufgestellt und sich über das drahtlose Netzwerk miteinander und dem Stationssystem verbunden.

Millers Augen brannten vor Müdigkeit, aber dennoch versuchte er sich zu konzentrieren und sah nach vorne. Anna Stone hatte vermutlich noch nicht die Dreißig überschritten, es aber schon weit gebracht. Sie trug ihre Uniform wie eine zweite Haut und zusammen mit der akkuraten Frisur ihrer brünetten Haare und dem wohl dosierten Make-up sah man sofort eine Investigatorin der IWF in ihr. Sie strahlte unübliche Souveränität für ihr vergleichsweise junges Alter aus, ihre Amtskollegen waren für gewöhnlich fünf bis zehn Jahre älter. Sie warf prüfende Seitenblicke zu ihren Sitznachbarn. Nachdem diese knapp nickten bediente die Investigatorin gelassen ihr SmartPad, ehe sie mit gleichgültigem Blick Miller wieder ins Visier nahm und in ein vor ihr aufgestelltes Mikro sprach. „Es ist meine Pflicht, Sie darüber in Kenntnis setzen, dass diese Unterhaltung aufgezeichnet wird.“ Sie lächelte freudlos. „Aber das sollten Sie wissen, ist ja nicht Ihre erste dieser Art. Wie geht es Ihnen, Mr. Miller?“
Der Tonfall implizierte, dass Millers Wohlbefinden nicht wirklich von Interesse war. Der Kommandant fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen, ehe er ebenfalls in ein Mikro antwortete. „Es könnte besser sein, Mrs. Stone.“
Ungerührt fuhr sie fort. „Das Protokoll erfordert es, Ihnen mitzuteilen, vor wem Sie gleich Rede und Antwort zu stehen haben. Links neben mir sitzt General Robert Jankins, Mitglied des Generalstabes des R4-Quadranten als militärischer Sachverständiger, rechts neben mir Frau Sarah Bennett, Kabinettsmitglied der Sternsystemregierung von Polaris, der Schauplatz Ihrer unglücklichen Unternehmung.“ Sie machte eine kurze Pause, in der sie Miller mit festem Blick entgegensah. „Und ich bin Third Level Investigator Anna Stone der Interstellar World Federation. Wie Sie sehen, hat ihr Handeln Aufsehen erregt.“
Miller schluckte. „Es ging ja auch um keine Kleinigkeit.“
„Natürlich nicht,“ erwiderte Stone Augen rollend. „Bei Sondereinheiten wie Ihrer geht es nie um Kleinigkeiten.“
Miller schlug nicht gerade Wohlwollen entgegen und er war sich bewusst, dass keine erquickliche Zeit vor ihm lag. „Hören Sie,“ begann er offensiv, aber ruhig. „Ich bin nicht erst seit gestern Kommandant. Ich habe schon einige Einsätze abgeschlossen, von denen andere sagten, sie seien unmöglich. Bei uns geht es nicht um Kleinigkeiten und deshalb auch oft nicht nach Lehrbuch.“
Stone nickte bei diesem Konter und ihre Augen blitzten erfreut auf. Investigator der IWF wurden nur die Besten, ebenso schwierig war es, in die höheren Dienstgrade aufzusteigen. Dafür musste man schon ausgesprochen gut, eher schon brillant sein. Miller wusste das und ihm war klar, dass solche Leute einen siebten Sinn für Spielchen und Lügengeschichten hatten. Dennoch musste er es wagen, den Spürsinn von Anna Stone zu prüfen.

„Sicherlich ist uns das klar,“ erhob Jankins die Stimme, „aber das Widersetzungsprotokoll der Seeker ist dann doch etwas zu lang für einen hochrangigen Offizier wie Sie.“ Er tippte auf seinem SmartPad, dann las er vor: „Wiederholte Abweichungen von den Normrouten, wiederholte Ausgabe alkoholischer Getränke während einer Mission, Flug mit ungesicherter Ladung, fehlende Lageberichte – Herrgott, Miller, Sie sind ein Major General, kein frisch gebackener Lieutentant, der sich noch mit Trainingsprogrammen herumschlägt!“ Jankins funkelte Miller erzürnt an. „Ihnen muss doch klar sein, dass alles von der Schiffssoftware protokolliert wird.“
„Ich tue, was notwendig ist, um jede Mission erfolgreich zu beenden“, erklärte der Kommandant.
„Und dazu gehört die Ausgabe alkoholischer Getränke?“, fuhr Stone sogleich dazwischen. Miller schwieg dazu und versuchte keine Regung zu zeigen, auch wenn die Investigatorin da einen wunden Punkt zur Sprache brachte. Wie Miller geahnt hatte, war Stone bestens vorbereitet. Er musste vorsichtig sein, keine leichte Aufgabe, nach beinahe sechsunddreißig Stunden ohne Schlaf – und ohne Drink.
„Hat denn wenigstens Ihre Crew auch etwas abbekommen, oder war das dann immer nur für Sie?“ Miller presste die Lippen zusammen, während Stone so tat, als müsse sie etwas nachlesen. „Sie wissen einen guten Tropfen doch zu schätzen, Mr. Miller, sehe ich das richtig?“ Es war zu hören, dass sie das längst wusste.
„Geht es jetzt um meine Trinkgewohnheiten oder um den letzten Einsatz?“
„Vielleicht beides, wobei ich keine Therapeutin für Alkoholiker bin, also konzentrieren wir uns auf den Verlauf Ihrer letzten Mission. Bitte schildern Sie uns was Ihre Aufgabe war, damit wir herausfinden können, warum das derart aus dem Ruder gelaufen ist.“

...

Eure Meinung? "Wie gehts weiter?!" oder "Ich habs kaum bis hier her geschafft ..."

Sonntag, 19. April 2015

Manche Autoren können Texte einfach so runterschreiben und die sind sofort toll und ziemlich druckreif. Wenn ich einen Text einfach so runterschreibe, gibts noch viel zu tun und jedes Papier sollte sich weigern, die Zeilen anzunehmen ... Erst nach etlichen Überarbeitungsdurchgängen komme ich der finalen Fassung näher und bin dann zufrieden. Bei Kurzgeschichten ist wenigstens der Handlungsrahmen sehr übersichtlich, d. h. Plotänderungen lassen sich z. B. erheblich einfacher umsetzen, als bei Romanen.

Die aktuelle Sci-Fi-Geschichte ist jetzt soweit "fertig", wenn ich das so sagen darf, es sind zwei Titel in der engeren Auswahl. Wer will eine Leseprobe?

Mittwoch, 8. April 2015

Eine kurze Abwechslung zur Fantasy bietet mir mal wieder Science Fiction. Momentan schreibe ich an einer Kurzgeschichte und werde Sondereinsatzkommandant Ryan J. Miller wieder auf eine Mission schicken (siehe die Kurzgeschichte "Willkommen auf der Seeker", Weltentor Sci-Fi Anthologie 2014). Das Setting um den etwas sonderbaren Kommandanten und seine Crew gefällt mir und ich fühle mich wohl damit. Ich bin mir aber noch nicht ganz sicher, ob das diesmal inhaltlich so klappt, wie ich mir das vorstelle und einen Titel habe ich auch noch nicht ...