Samstag, 29. November 2014

Science-Fiction-Anthologie Weltentor 2014 veröffentlicht

Ab sofort im Handel erhältlich - wer noch ein Geschenk braucht ... ;) In der Anthologie bin ich mit der Geschichte "Willkommen auf der Seeker!" vertreten.

Inhalt:
Die junge Navigatorin Armanda Rodriguez tritt zu ihrem Einsatztest auf der Seeker an und erfährt bei ihrer ersten Mission sofort, was es bedeutet, Teil eines Sondereinsatzkommandos zu sein: Der Frachter Bigbird 5185 treibt planmäßig zur Entsorgung auf einen Stern zu, als plötzlich ein Notsignal von ihm gesendet wird. Major General Ryan J. Miller und seine Crew werden mit der Überprüfung beauftragt. Dafür müssen sie an den Frachter andocken, der schon gefährlich nah am Point-of-no-return des Gravitationsfeldes des Sternes ist und tatsächlich wurde das Notsignal nicht grundlos gesendet ...

Making of: Eine Science-Fiction-Geschichte hat mir schon lange vorgeschwebt und hiermit habe das Vorhaben in die Tat umgesetzt. Es hat viel Spaß gemacht, einmal das Terrain der Fantasy zu verlassen und sich mit völlig anderen Dingen auseinanderzusetzen. Der Ich-Erzähler, den ich auch zu schätzen gelernt habe, schied als Stilmittel hierfür von Anfang an aus. Mir schwebte die Figur des Ryan Miller vor Augen, ein einsatzerfahrener, eher verschlossener Kommandant einer kleinen Einheit, die "schwierige Fälle" zu lösen hat. Ich habe zunächst die Geschichte mit Miller als Protagonist zu erzählen begonnen, kam aber schon früh nicht wirklich weiter. Lag es am Plot? Am eigenen Backgroundwissen? Nein, es lag an der Person, dem Protagonisten! Also kam die Navigatorin Armanda ins Spiel, aus deren Sicht nun die Geschichte erzählt wird und somit kann Miller der fähige, aber unergründliche Kommandant sein, der er sein soll.
Als Antagonist kam mir als erstes eine aggressive Alien-Spezies in den Sinn, aber diese Idee wurde schnell verworfen. Zu offensichtlich, zu oft bereits gesehen/gelesen. Aber es gibt natürlich etwas, was die Crew der Seeker gehörig unter Druck setzen wird. ;)

Leseprobe 
Armanda betrachtete sich kritisch im Spiegel. Ihr aufmerksamer Blick aus blauen Augen huschte über jedes Detail: Sie rückte ihr Namensschild mit der Aufschrift Rodriguez noch um einen Millimeter gerader und drehte sich anschließend leicht nach links, dann nach rechts. Waren ihre dunkelblonden Haare ordentlich zu einem Zopf am Hinterkopf zusammengefasst? Saß ihre Uniform so wie sie sollte? Sah sie gut aus? Armanda seufzte. Ja, sie sah gut aus, zu gut für ihren Job. Mit dem frischen unverbrauchten Gesicht einer Dreiundzwanzigjährigen wirkte sie auf ihre männlichen Kameraden eher wie ein Püppchen als eine Raumsoldatin mit Spezialisierung auf Navigation, die sie mit Bestnote abgeschlossen hatte. Nur wenige wurden so früh Lieutenant wie sie. Aber vielleicht war es dieser Umstand, weshalb sie abgebrühter als andere in ihrem Alter war. Sie hatte gelernt, sich durchzusetzen und nicht klein beizugeben. Ihre gesamte Ausbildung war glänzend verlaufen und hatte ihr ein gewisses Selbstvertrauen verliehen, heute jedoch war sie aufgeregt wie am ersten Tag.

Sie griff ihr Marschgepäck, ein Tragesack mit persönlichem Hab und Gut, betätigte den Türöffner und verließ ihre Unterkunftskabine. Mit flottem Schritt und unbewegter Miene ging Armanda durch die Gänge der Raumstation Quantion 978. Nach ihrem bravourösen Abschluss war sie zu ihrer großen Enttäuschung auf einem unbedeutenden Raumfrachter eingeteilt worden. Armanda hatte die Initiative ergriffen, sich bei der Sondereinheit der Raummarine beworben und war nun in diesem Augenblick auf dem Weg, ihren Einsatztest als Navigatorin auf der Seeker 0225 anzutreten. Der Kommandant war Major General Ryan J. Miller, dem einige bekannt gewordene spektakuläre Missionen zugeschrieben wurden. Niemand anderes als er würde nach Armandas erster Mission entscheiden, ob sie das begehrte Special-Forces-Abzeichen bekommen würde. 
 
Die junge Navigatorin betrat einen der fünf Lifte von Quantion 978, drückte das Feld mit der Aufschrift „Hangar“ und vermied es, ihr Äußeres in den sich spiegelnden Wänden erneut zu kontrollieren. Unmerklich bewegte sich der Aufzug, nur die wechselnde Schrift am Display zeigte, dass sich der Fahrstuhl in Bewegung befand. Schließlich glitt die Tür auf und vor Armanda lag der Hafen der Raumstation. Die wenigen Docks waren viel zu eng konstruiert worden, weshalb sich die Frachter, Raumgleiter und Transporter dicht an dicht reihten und folglich auch die Menschen sowie Ladedroiden. Sie umrundete große Warenladungen und Passagiergruppen und suchte gemäß ihrem Marschbefehl Dock drei, Stellplatz eins. Armanda atmete tief durch und ermahnte sich zur Ruhe. Die Seeker war ein überraschend kleines Schiff, stellte sie fest, klein, aber keineswegs technisch überholt, denn der Antrieb hatte die charakteristische Form der Darkdrivetechnologie. An der Eingangsschleuse stand gerade ein Mann, der das Schiff betreten wollte. Armanda kam heran und ihr Herz setzte einen Schlag aus, als sie das Rangabzeichen erkannte. Das musste Kommandant Miller sein!
„Major General Miller?“ Der Mann reagierte nicht, Armanda schluckte. „Sir?“, rief sie etwas lauter. Jetzt drehte sich der Mann verblüfft um und Armanda sah in das Gesicht eines Mittvierzigers. Die erkennbare Übermüdung sowie der Dreitagebart passten zwar zusammen, nicht jedoch zu einem ranghohen Offizier. Seine Haare trug er kurzgeschoren, erste graue Strähnen waren im restlichen dunkelbraun zu erkennen. Seine Kleidung saß etwas unordentlich und ein kleiner Bauch zeichnete sich ab.
 
„Lieutenant Armanda Rodriguez, melde mich zum Dienst!“, erklärte Armanda im besten militärischen Tonfall. Der Kommandant blinzelte und zog fragend die Augenbrauen zusammen.
„Ich … ich bin Ihre neue Navigatorin, Sir“, fügte sie leicht verunsichert hinzu. Jetzt hellten sich Millers Gesichtszüge auf. „Richtig! Bitte, kommen Sie.“ Er winkte Armanda heran, drehte sich um und legte seine Hand auf den Handscanner. Ein rotes Licht flackerte auf, dann erklang eine weibliche Stimme: „Major General Ryan Miller, Zutritt gewährt.“ Die Schleusentüren fuhren zischend zur Seite und Miller trat ein. Als Armanda in den Eingangsbereich folgte vernahm sie dieselbe Stimme erneut: „Willkommen an Bord, Lieutenant Armanda Rodriguez.“
Auf Armandas fragenden Blick antwortete Miller: „Das ist Abigale, unsere Schiffssoftware.“

Weitere Türen zweigten ab, dazwischen befanden sich fest verbaute Spinde und Schränke. Armanda kannte den Bautyp der Seeker, allerdings nur von Bildern und Plänen. Es war eine spezielle Konstruktion nicht nur ausschließlich für das Militär, sondern auch nur für die Sondereinsatzkommandos. Ehrfürchtig sah sie sich um und sog den Moment in sich auf. Miller stand an der Tür zum Habitatsbereich, aus dem Stimmen zu hören waren. „Kommen Sie?“

Armanda zuckte zusammen und beeilte sich aufzuschließen. Sie hatte wie ein kleines Kind mit großen Augen umhergeglotzt! Miller öffnete die Tür und trat ein. Schlagartig wurde es still und Armanda fühlte etliche Augenpaare auf sich gerichtet. Die Neue stand vor der bereits aufeinander eingeschworenen Crew, immer ein unangenehmer Moment.

„Ich darf unsere neue Navigatorin vorstellen: Lieutenant Armanda Rodriguez“, begann Miller, etwas zu energielos, wie Armanda fand. Er wies auf einen breitschultrigen glatt rasierten Mann in den Fünfzigern am Servicemodul lehnend und mit einer Tasse Kaffee in der Hand. „Colonel Andrew Smith, Erster Offizier und für die medizinische Grundversorgung zuständig.“
Armanda nickte grüßend. „Sir.“
Andrew sah ihr regungslos entgegen. „Lady.“ Er nippte an seinem Getränk, während Armanda ob des rüden Tonfalls schlucken musste.
Ungerührt fuhr Miller fort. „Die sympathische Frau mit den brünetten kurzen Haaren dort an dem Tisch ist Isabella Graham, unsere Expertin für Kommunikation und Datentransfer.“
Isabella lächelte Armanda offen entgegen. „Schön dich an Bord zu haben!“, grüßte sie.
Armanda war ob der Freundlichkeit erleichtert. „Ich freue mich, hier sein zu dürfen.“
Der letzte im Raum, ein junger Mann Isabella gegenüber sitzend, sprang ohne Aufforderung auf und trat mit anzüglichem Blick vor Armanda. „Und ich bin erst froh, dass du da bist!“, säuselte er mit hörbarem Akzent der Systeme im Q4-Quadranten. „Was hat jemand so Schönes wie dich hier her verschlagen?“
„Mann, Viktor …“, kam es prompt von Andrew, Isabella schlug sich die Hand auf die Stirn.
Armanda bändigte ihr spöttisches Lächeln. „Die Leidenschaft für Navigation und, ob du es glaubst oder nicht, eine reguläre Versetzungsanfrage.“
Viktor rückte etwas näher an Armanda heran und versuchte krampfhaft verführerisch dreinzublicken, was ihm gründlich misslang. „Mit Leidenschaft bist du hier schon mal richtig …“
Armanda wich nicht zurück, verschränkte aber mit energischer Geste die Arme vor der Brust. „Ah, ich sehe schon, wie das hier läuft: Ich steuere das Schiff und dich steuert dein Schwanz.“

Tiefes Lachen kam von Andrew herüber und er hob zustimmend seine Tasse in Millers Richtung. „Die Kleine ist gut!“ Schlürfend nahm er einen Schluck.
...
 

Montag, 24. November 2014

Eine weitere Idee hat den Weg aus dem Kopf aufs Papier gefunden, damit sie nicht verloren geht. Somit gibt es bis jetzt drei weitere Geschichten, die inhaltlich schon recht konkret vorliegen. Jede steht für sich und ist unabhängig von den anderen lesbar, alle zusammen ergeben aber ein Gesamtbild. Die Planung des Metaplots geht bei mir noch weiter, aber da wird es dann sehr vage ;)

Mittwoch, 12. November 2014

Was sich so tut ...

Die Weltentorbücher sind in Druck gegangen und sollen Ende November ausgeliefert werden. Auch wenn ich mich auf den Release der Sci-Fi-Anthologie freue, bleibe ich fest im Fantasybereich: Derzeit sammele ich Ideen zu Personen und Geschichten, die sich in das "Big Picture" der Welt einfügen sollen. So viel sei gesagt: Die Einfälle gehen nicht aus ;)