Sonntag, 25. August 2013

Kurzgeschichte wird veröffentlicht!

Drei Monate sind nach meiner Einsendung vergangen, nun ist das Ergebnis des diesjährigen Kurzgeschichtenwettbewerbes des NOEL-Verlages da: Ich bin tatsächlich wieder dabei - das dritte Jahr in Folge! Diesmal handelt es sich nicht um eine Fantasy- sondern um eine Mysterygeschichte mit dem Titel "Ein schreckliches Ende". Die Veröffentlichung der Anthologie (diesmal Taschenbuchformat) ist für Mitte November diesen Jahres vorgesehen.

Florenz im Jahre 1798. Der vierte August ist gekommen und das jährliche Maskenfest steht bevor. Wie viele Andere auch freut sich die junge Näherin Elena schon seit Wochen auf diesen Tag, doch leider plagt sie seit geraumer Zeit ein diffuses Unwohlsein. Aber keinesfalls will sie dieses Großereignis versäumen und findet sich im feinen Gewand und schmucker Maske vor dem Gesicht auf der Piazza della Signoria ein.
Leider verstärken sich ihre Beschwerden und obwohl sie aufgeschlossene Valentina kennenlernt und mit ihr ausgelassen in den Abend hineinfeiert, kann sie das Fest nicht gänzlich genießen. Und tatsächlich nehmen schon bald schreckliche Dinge ihren Lauf, bei denen Elena eine ungeahnte Rolle spielt ...

Mittwoch, 7. August 2013

Helden der Schattenwelt: Muldor, Fürst der Toten



Neben der Vampirin Ylrana gibt es einige weitere Personen, die eine entscheidende Rolle in der Geschichte spielen. Im Folgenden eine Textstelle über Muldor, den Fürst der Toten:

Ylrana verspürte Schmerzen und wurde unsanft an ihre schwere Verletzung am Bein erinnert. Ihr Körper hatte die bohrende Qual für einige Zeit ausgeblendet, doch nun meldete diese sich energisch zurück. Die junge Vampirin fühlte sich schwach und humpelte ungelenk auf ein niedriges Mauerstück zu, um sich dort erst einmal festzuhalten. Sie konnte ihr linkes Bein weder abwinkeln, noch sonderlich belasten, ohne dass ihr sofort Tränen der Pein in die Augen schossen. So eindrucksvoll sie gerade den Rattendämon erledigt hatte, so hilflos war sie nun.
Die Menge löste sich langsam auf und Ylrana hatte Mühe, sich auf die Umgebung zu konzentrieren. Ein unangenehmes Gefühl des Beobachtet-Werdens hüllte sie ein und unwillkürlich blickte die verletzte Vampirin nach links. Dort zogen sich die schaurigen Dämonen gerade in den hinteren Teil der Anlage zurück. Vorne dran jedoch stand die Spinnendämonin Baztuul und die vier vorderen glänzenden Augen waren mit unergründlichem Blick auf Ylrana gerichtet. Erst nach einem unangenehm langen Augenblick kam Bewegung in die Spinnenbeine und mit flinken Schritten wendete sich Baztuul ab, um ihren Landsleuten zu folgen.

„Auf sie musst du aufpassen“, erklang plötzlich Muldors gurgelnde Stimme von Ylranas rechter Seite und sie zuckte erschrocken zusammen. Sie hatte den Untoten gar nicht kommen gehört. Erschöpft und überfordert blickte sie den Toten-Fürst an, dessen emotionsloses Gesicht wie gewohnt keine Regung zeigte.
„Baztuul ist eine der tödlichsten Dämonen, die uns momentan bekannt sind. Sie wird deinen unerwarteten und spektakulären Sieg als Herausforderung ansehen.“
Ylrana blinzelte müde. „Tut mir leid, Muldor, aber ich … ich weiß momentan gar nicht, wo mir der Kopf steht. Ich weiß doch selber nicht einmal, was gerade eben mit mir passiert ist.“ Die junge Vampirin war sichtlich verwirrt. Knirschende Schritte näherten sich und zu allem Überfluss tauchte nun auch noch Galrim bei ihnen auf. Sacht wallten seine langen, glatten Haare um seine Schultern. Erstaunlicherweise waren die tiefen Krallenverletzungen in seinem blassen Gesicht schon deutlich abgeheilt. Mit zornigem Blick wandte er sich an Muldor: „Das Mädchen kommt jetzt mit uns! Du hast sie lange genug in deinen kalten Fingern gehabt!“
Auch wenn Muldor keine Gefühlsregung zeigte, kannte Ylrana ihn mittlerweile gut genug um zu wissen, dass der Untote nun wütend war. Der feste Griff um seinen knorrigen Stab bestätigte dies und Ylrana fragte sich, ob Galrim überhaupt wusste, was Muldor damit alles anstellen konnte.
„Sie kam mit uns und sie bleibt auch bei uns, Blutsauger!“, knurrte der Untote gefährlich leise und trat Galrim provozierend einen Schritt entgegen, so dass sie nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt standen.
„Ihr verdammten Kadaver habt sie entführt! Das kann so nicht akzeptiert werden und das weißt du, Muldor!“
Der lebende Tote verzog seinen faulenden Mund mit den blutleeren Lippen zu einem grotesken Lächeln. „Der Stärkere hat gesiegt, das ist das Gesetz der Schattenwelt!“

Galrim wollte gerade zu einer erbosten Antwort ansetzen, als sich Ylrana zu Wort meldete.
„Mir ist zwar momentan nicht ganz klar, wer sich hier mit wem freundschaftlich die Hand schüttelt oder wer sich am liebsten den Schädel einschlagen würde aber Tatsache ist“, Ylranas Stimme wurde lauter und ihr Blick lodernd vor Zorn, „dass ich es überhaupt nicht mag, wenn über meinen Kopf entschieden wird! Ich dachte, das hätte ich bereits deutlich gemacht!“
Einen Moment lang blickten Galrim und Muldor Ylrana verdutzt an, während die einen Kopf kleinere Vampirin mit forschem Blick zwischen den beiden hin und her sah.
„Ich kann sehr gut für mich alleine entscheiden, vielen Dank!“, fauchte sie und tatsächlich schwiegen die beiden verwirrt.
„Aber …“, hob Galrim an, doch er wurde sofort mit einer zackigen Handbewegung von Ylrana unterbrochen. „Kein aber! Ich bin zwar eine Vampirin wie du, aber warum legst du so immens großen Wert darauf, mich zu dir zu holen? Woher soll ich wissen, was du mit mir vorhast?“ Galrim presste verbissen die Lippen aufeinander. Er konnte diese Frage nicht beantworten, weil er es selber nicht genau wusste. Er würde Ylrana zur Feste Eri’Riat zurückbringen und dem Rat vorführen, doch was würde dann geschehen?
Ylranas Sinne waren wieder klarer und sie kam richtig in Fahrt. „Dachte ich mir! Also lass mich endlich in Frieden!“
Eine heiße Schmerzwelle zuckte von Ylranas verletztem Bein durch ihren Leib und zeigte sich auf ihrem verzerrten Gesicht. „Und wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich muss mich um mein Bein kümmern, sonst glaube ich gehe ich bald nirgendwo mehr hin.“
Mühsam und unter großen Qualen humpelte Ylrana davon, doch schon nach wenigen Schritten merkte sie, dass sie nicht weit kommen würde. Die Beschwerden wurden unerträglich und Tränen der Wut und des Schmerzes füllten ihre Augen. Sie wusste, dass sie einen jämmerlichen Anblick darbot und diese Offenbarung von Schwäche war Ylrana peinlich. Drei Schritte trennten sie noch von dem nächsten Mauerrest eines ehemaligen kleineren Gebäudes und mit letzter Kraft schleppte sie sich dorthin. Sie ließ sich mehr zu Boden fallen, als dass sie sich absetzte und schwarze Farbkleckse tanzten vor ihren Augen, während sie nach Luft japste.

Als der bohrende und lähmende Schmerz nachließ, sah sie eine Gestalt vor sich stehen: Muldor. Ylrana seufzte matt. Ich brauche Hilfe! „Geh weg“, hauchte sie erschöpft, doch es klang nicht halb so überzeugend wie beabsichtigt. Ylrana musste sich eingestehen, dass sie heilfroh war, dass Muldor ihr gefolgt war. Er war momentan der Einzige, den sie zumindest ein wenig kannte und vertraute, einfach weil sie ihn einschätzen konnte, auch wenn er sie oftmals recht hart behandelt hatte.
„Ich sehe mir nur mal dein Bein an, dann bin ich auch schon wieder weg“, sprach der Untote mit ungewohnter Zurückhaltung in der Stimme und kauerte sich ab, um sich die Verletzung aus der Nähe anzusehen.
„Wenn du meinst“, sprach Ylrana möglichst beiläufig. Hoffentlich kann er etwas tun!
Einige Augenblicke musterte der Toten-Fürst das verdrehte, gebrochene Bein, dann sah er Ylrana mit seinem starren Blick an.
„Wird kurz wehtun“, sprach er schlicht. Ylrana atmete tief ein, denn sie befürchtete, dass Muldor stark untertrieb. Der Untote legte seinen Stab zur Seite und packte unvermittelt mit seiner starken linken Hand Ylranas Oberschenkel knapp über dem Knie. Glühender Schmerz durchzuckte Ylrana und sie konnte es nicht verhindern, leidvoll aufzustöhnen. Ihr Atem ging stoßweise und sie biss die Zähne fest aufeinander. Muldor griff nun Ylranas Schienbein mit der rechten Hand und Ylrana spürte leichten Zug an ihrem zerborstenen Knochen. Nun ahnte sie, was er vorhatte: Er musste Ylranas Beinbruch auseinanderziehen und einrichten!
Muldors kalte Augen suchten Ylranas Blick. „Bereit?“
Die Vampirin schüttelte verkrampft den Kopf. „Nein“, zischte sie zwischen zusammengepressten Zähnen hervor.
„Gut.“ Und ohne ein weiteres Wort zog Muldor mit einem gewaltigen Ruck an Ylranas Bein. Unbeschreibliche Schmerzimpulse rasten durch ihren Körper und äußerten sich in einem lauten, langen und gellenden Schmerzensschrei. Ylrana hatte das Gefühl, als würde Muldor ihr bei lebendigem Leib das Bein ausreißen.

Als sie wieder klarer sehen konnte, war der Untote gerade dabei, Ylranas Bein an mehreren Stellen mit seinem knorrigen, alten Stab zu berühren. Dabei murmelte er unverständliche Worte und mit einem Mal klangen die mörderischen Schmerzen ab. Kaum malträtierten sie ihr Bein nicht mehr, war Ylrana wieder Herr ihrer Sinne und schaute Muldor geschwächt, aber fasziniert zu. Noch einige Augenblicke lang behielt der Toten-Fürst sein eigentümliches Ritual bei, dann erhob er sich langsam.
„Du kannst wieder laufen. Alles weitere heilt ab, wenn du das nächste Mal Blut trinkst.“
„Wieso hilfst du mir und lässt mich nicht einfach in meinem Elend alleine?“, hinterfragte Ylrana Muldors Verhalten. Wieder einmal hatte der Untote sie überrascht. Obwohl sie sich ihm gegenüber auflehnend verhalten hatte, half er ihr scheinbar unbeirrbar.
„Weil ich den Eindruck habe, dass wir dich noch brauchen werden. Ich weiß nicht wann oder wie, aber ich bin mir sicher, dass du unser aller Schicksal beeinflussen wirst. Also …“ Er sah sich vorsichtig nach links und rechts um, bevor er wieder zu ihr herabblickte. „Bleib am Leben!“
Langsam wandte sich der Untote ab und ging mit tappenden, ungelenken Schritten davon.
„Muldor?“
Der Toten-Fürst blickte sich zu Ylrana um.
„Danke“, sprach die Vampirin schlicht.
Muldor nickte nur mit ausdruckslosem Gesicht und setzte dann seinen Weg fort.