Samstag, 5. Mai 2012

Die Schattenwelt


In dem Urkontinent der Welt begann dereinst das Übel zu schwären wie eine faule Wunde. Immer weiter griff die Dunkelheit um sich und zwang den Schöpfergott Ranhír zum Handeln. Sein göttlicher Hammerschlag sendete die verderbenden Schatten in die Verbannung an das andere Ende des Weltenballes – dies war die Geburtsstunde der Schattenwelt.

Ranhír zwang dort den dunklen Gott Raloth in ein steinernes Gefängnis auf einer einsamen Insel. Obwohl der Kerker hielt, begann sich das Land zu verändern. Unmerklich keimte Düsternis, schlich sich empor und begann die Sonne zu verdunkeln. Eines Tages war der Deckmantel aus Dunkelheit derart dicht geworden, dass bestenfalls nur noch ein schummeriges Zwielicht das Land erhellte. Die Ewige Nacht hatte Einzug gehalten. Ranhír ließ es geschehen, denn seine ursprüngliche Welt sah er wieder aufatmen, jetzt, da der Schatten eine eigene Heimat hatte. So ließ er Land entstehen, einen Lebensraum für dunkle Völker, damit sie fortan als Gegenstück zur Lichtwelt existieren konnten. Nach seiner Wacht von eintausend Jahren zog sich Ranhír aus der Welt zurück und überließ sie ihrem Schicksal.

Vampire, Werwölfe, Geister, Dämonen und Untote begannen sich zu etablieren und ihre Gebiete abzustecken. Die Vampire beanspruchten das Land im Südwesten, die Werwölfe den riesigen Wald im Südosten. Nachdem die Geister den gesamten in Eis gehüllten Norden einnahmen, blieb für die Dämonen nur noch der Osten und für die Untoten der Westen des Landes. Die Ramak verweilten, isoliert von allen anderen, bei dem eingesperrten Schattengott auf der einsamen Insel mitten im Eingeschlossenen Meer. Auch Menschen existierten in der Schattenwelt, doch im Gegensatz zur Lichtwelt standen sie hier in der Nahrungskette bedrückend weit unten.

Fünftausend Jahre lang lebten die düsteren Völker in ihrer düsteren Welt. Fünfmal hatten sie die gefährliche Übergangszeit der Jahrtausendwende überstanden. Dann kam die sechste Wende und die Schattenwelt sah sich ihrer bisher größten Herausforderung gegenüber.