Sonntag, 4. Dezember 2011

Leseprobe "Randar - Die Schattenwelt"


Auszug aus dem Kapitel:

Wo ist Ylrana!
Jahr 1000 der Sechsten Finsternis
Reich der Vampire: Feste Eri‘Riat

Der Vampir Galrim betrat den Saal des Hohen Rates der Feste Eri’Riat mit einem mulmigen Gefühl. Es war ein prunkvoll eingerichteter Raum mit geradezu verschwenderisch viel Platz. Unzählige Scharten sowie kreisrunde und eckige Fenster in den Wänden und im Dach ließen das Zwielicht der Nacht so geschickt einfallen, dass der Raum zwar erhellt, aber immer noch angenehm düster war. Das Herzstück waren drei kunstvoll gefertigte hohe Lehnstühle aus verdreht gewachsenem, dunklem Holz. Die außergewöhnlichen Sitzgelegenheiten standen im Halbrund an der Stirnseite des Raumes. Drei Personen, ein Mann und zwei Frauen, erwarteten Galrim bereits.

Mit gebührend langsamen Schritten näherte er sich dem Rat der Feste. In exakt zehn Schritten Abstand zu den Sitzen befanden sich drei Symbole auf dem Boden, die mit besonderer Kunstfertigkeit dereinst in den dunklen Stein geritzt worden waren und nun kalkweiß entgegenstrahlen. Jeder Vampir kannte sie: Das linke Emblem bestand aus mehreren Blutstropfen und war das Symbol der Ehrung. Wer sich dorthin aufrecht und mit stolz erhobenem Haupt stellen durfte, hatte sich bewährt, einen wichtigen Dienst für die Vampire geleistet oder eine schwierige Aufgabe gemeistert. Das rechte Zeichen war das Gegenstück hierzu: Ein kurzes Schwert zeigte mit der Spitze zum Delinquenten, links und rechts befanden sich zwei handgroße Kreise, in die derjenige seine Hände zu legen hatte. Auf diesem Symbol musste man auf beiden Knien hockend verweilen, bis das Urteil gesprochen war. Das Emblem in der Mitte war ein eineinhalb Schritt durchmessender Kreis mit einem großen Augenpaar in der Mitte, das Sinnbild der Befragung und Anhörung. Wer vor den Rat zitiert wurde oder freiwillig mit einem Anliegen vor den Oberhäuptern sprechen wollte, musste in diesen Kreis treten und auf ein Knie herabsinken. Die Etikette gebot, dass sich Männer auf das rechte, Frauen auf das linke Knie niederließen.

Unaufgefordert trat Galrim in die Mitte, beugte das rechte Knie und senkte Respekt zollend sein Haupt. Er vermied es nach rechts zum Symbol der Bestrafung zu blicken, denn bei dem bloßen Gedanken daran, dort knien zu müssen, erschauderte er. Der Rat von Eri’Riat war für seine knallharten Bestrafungen bekannt und zögerte nicht, auch kleinste Vergehen unangenehm zu ahnden.
„Galrim, Vampir des 843. Jahres der Sechsten Finsternis, erfahrener Späher und Blutjäger, dreimaliger Gesandter zum Schattenkonzil und Mitglied der Trat’dôl’mer-Tradition – ist dies richtig?“ Die Worte des Mannes auf dem mittleren Lehnstuhl verklangen bedeutungsschwer in dem Saal.
„Ich bin es“, sprach Galrim und folgte damit dem ritualisierten Ablauf. Zunächst stellte der Rat fest, wer vor ihm erschienen war, was dieser mit „Ich bin es“ zu bestätigen oder mit „Ein anderer bin ich“ zu bestreiten hatte. Normalerweise war es nun erst üblich vom Rat aufgefordert zu werden, auf ein Symbol zu treten.
„Nur Eurer vergangenen Taten für die Feste wegen will ich verzeihen, dass Ihr schon einen Platz eingenommen habt. Es ist und bleibt dem Rat vorbehalten, dies zu bestimmen!“
Galrim nickte ergeben. „Ich weiß. Verzeiht.“

Elrom verzog missbilligend das Gesicht und blickte kurz zu seinen Kolleginnen, die ihm knapp zunickten, fortzufahren. „Wir hörten, dass Ihr eine Begegnung mit einem weißhaarigen Menschen hattet. Ist dies so?“ Der schroffe Tonfall verhieß nichts Gutes.
„Ja.“ Galrim verzog kurz sein Gesicht. „Dies ist wahr“, korrigierte er sich schnell, um die formell richtige Antwort zu geben. Bloß nicht verärgern!
„Ein Menschenweib mit weißem Haar ist ohne Zweifel sonderbar und einzigartig, und dennoch habt Ihr sie ziehen lassen. Warum?“ Elroms Stimme durchschnitt mühelos die stehende Luft. Galrim wurde mulmig, zunächst jedoch befand er sich nur in Befragung und es war sein Recht frei zu sprechen.
„Es war eine reine Zufallsbegegnung, Hoher Rat. Wir waren auf Blutjagd und erlegten gerade eine kleine Gruppe, als dieses Mädchen uns entkam.“
„Das ist unmöglich!“, polterte Elrom dazwischen. „Kein Mensch kann einem Vampir entkommen! Sie ist Euch doch nicht etwa aufgrund von Unachtsamkeit entwischt!?“
Galrim blieb ruhig. Er war erfahren genug, auch einer barschen Befragung durch den Rat Stand zu halten.
„Sicherlich nicht, doch dieses Mädchen lief so schnell und ausdauernd, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Umgehend verfolgte ich es.“ Oridi und Padana nickten bestätigend. Galrim hatte einen kleinen Pluspunkt.
„Die Frau lief in atemberaubendem Tempo und versuchte tatsächlich mich abzuschütteln, doch meine Erfahrung als Jäger vereitelte dies. Schließlich holte ich sie ein.“

Elrom setzte schon wieder zu einer ungehaltenen Aussage an, allerdings kam ihm diesmal Oridi zuvor. Mit einer dezenten Geste der linken Hand hielt sie Elrom zurück, der daraufhin unwillig schnaubte und schwieg. Die Anführerin der Trat’dôl’mer-Tradition hielt Galrim fest im Blick. „Hattet Ihr eine Möglichkeit das Haar zu betrachten?“
Galrim nickte. „Ja. Es war in der Tat blendend grell und die Farbe stach mir in den Augen. Es war unangenehm anzuschauen, doch auf eine eigentümliche Art spürte ich, dass dieses Mädchen etwas Besonderes war. Wie hätte sie sonst vor mir so lange davonlaufen können?“
Elrom lehnte sich mit hämischem Gesichtsausdruck nach vorn. „Vielleicht werdet Ihr alt und langsam, Galrim?“
Der erfahrene Vampir schluckte die bissige Antwort, die ihm auf der Zunge lag, herunter.
„Fahrt fort“, sprach Padana kühl und ungerührt. „Jetzt kommt der wichtige Teil, denn nur zu gern möchte ich wissen, weshalb Ihr das Mädchen nicht zu uns gebracht habt!“ Gespannte Stille trat ein und die stechenden Blicke der Ratsmitglieder ruhten auf Galrim. Der Vampir musste hart schlucken. Jetzt wurde es etwas unangenehm.


Sonntag, 20. November 2011

Lesung am Sonntag, 20.11.11 um 15 Uhr


Die heutige Lesung im Rahmen des Gemischtwarentages im Oberangertheater war ein voller Erfolg. "Randár" wurde kurz vorstellt, dann die Weltentor-Siegergeschichte "Kopfgeldjäger" vorgetragen. Leider hat die Zeit nicht gereicht, aus "Randar - Die Schattenwelt" zu lesen, aber das Publikum hatte sich ohnehin die Kurzgeschichte "Der Wald ist nichts für Zwerge!" gewünscht. Also gibt es bald eine Leseprobe von der Schattenwelt.

Vielen Dank an alle, die gekommen sind!

Samstag, 5. November 2011

Sieger im Kurzgeschichtenwettbewerb Weltentor 2011 Genre Fantasy!

Im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Neuigkeiten:  

Mit der Kurzgeschichte "Kopfgeldjäger" bin ich Sieger des Weltentor-Kurzgeschichtenwettbewerbes (Noel-Verlag) 2011 im Genre Fantasy geworden! 

Das freut mich riesig und ich bin schon sehr auf die Anthologie gespannt!


Kilian Braun

Dienstag, 25. Oktober 2011

Lesung am Sonntag, 20.11.11 um 15 Uhr

Im Rahmen des 3. Gemischtwarentages im Oberangertheater darf ich dieses Jahr wieder eine Lesung abhalten. Die Veranstaltung findet am Sonntag, 20.11.11 ab 12 Uhr statt, der Eintrittspreis beträgt 4 €. Meine Lesung beginnt um 15 Uhr.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein abwechslungsreiches Programm besser ankommt und das großzügige Zeitfenster ermöglicht es, dass ich nicht nur aus "Randár" lesen, sondern auch Kurzgeschichten wie "Der Wald ist nichts für Zwerge!" oder "Kopfgeldjäger" vorstellen werde. Ich habe mich auch dazu entschieden, dort exklusiv aus meinem neuesten Werk "Randar - Die Schattenwelt" (Veröffentlichung: Dezember 2011) zu lesen und vorher keine Leseprobe online zu stellen. Wer also einen ersten Vorgeschmack hierauf bekommen will, wer sich dafür interessiert, wie die beiden Bücher zusammenhängen und was sonst noch so geplant ist sollte vorbeikommen! :)

Gerne werde ich auch für Fragen und Anregungen zur Verfügung stehen und es wird natürlich die Möglichkeit geben, mein Buch "Randár" sowie die Anthologie "Mystische Helden, Wald ohne Wiederkehr" zu einem attraktivem Preis zu erwerben.

Ich würde mich über zahlreiches Erscheinen freuen!

Mit besten Grüßen

Kilian Braun

Dienstag, 27. September 2011

Randar - Die Schattenwelt

Die Schattenwelt - Der Ort, an dem der Schöpfergott Ranhír einstmals den Schattengott Raloth eingekerkert hat. Trotz des steinernen Gefängnisses hatte seine Aura schon bald auf das umliegende Land übergegriffen und den Himmel für immer verfinstert. Der Deckmantel der Ewigen Nacht verhinderte fortan, dass es jemals richtig hell wurde, nur spärliches Zwielicht trennte den Tag von der Nacht. So brachte das Land die dunklen Völker hervor: bluttrinkende Vampire, Magie beherrschende Untote, mysteriöse Geister, kampfstarke Dämonen und naturverbundene Werwölfe.

Fünftausend Jahre lang lebten diese düsteren Völker in ihrer düsteren Welt. Fünfmal hatten sie die gefährliche Übergangszeit der Jahrtausendwende überstanden.

Ylrana, das Menschenmädchen mit silberweißem Haar, wird als Vampirin wiedergeboren - und muss die Schattenwelt in das sechste Jahrtausend führen.


Bereit für die Düsternis?
Dezember 2011

Kilian Braun

Freitag, 29. Juli 2011

Leseprobe Kurzgeschichte "Ilran"

Diese Kurzgeschichte hatte ich für einen Wettbewerb geschrieben, sie kam jedoch nicht in die engere Wahl. Ich habe mich daher entschlossen, sie kostenlos zur Verfügung zu stellen und sie kann als PDF auf meiner Homepage heruntergeladen werden. Viel Spaß beim Lesen!

Inhalt: 
In der großen Metropole Roma hat sich der einflussreiche Senatur Brachus seine Macht vielleicht etwas überstrapaziert und muss nun um sein Leben bangen. Jedoch liegt seine Residenz auf dem gut bewachten Aventinhügel und Brachus hat eine sehr erfahrene Wachmannschaft angeheuert. Es ist kein Zufall, dass einer der besten Attentäter des Landes sich in Roma aufhält: Illran. Aber wer wird nun sein Opfer?
 
Leseprobe:

Senator Brachus saß in seinem bequemen Sessel im Kleinen Saal seiner Villa und wirkte unruhig. Der wohlbeleibte und in feine Tuchgewänder gehüllte Mann Mitte Fünfzig hatte grau meliertes, lichtes Haar und war stets gründlich rasiert. Brachus hasste Bartstoppeln! An manchen Tagen rasierte er sich sogar zweimal, damit das kratzende Gefühl beim Streichen über die Wangen verschwand.
Er war im Laufe seiner politischen Karriere einer der einflussreichsten Mitglieder im Senat von Roma, der Hauptstadt des Königreiches Latium, geworden. Er hatte es zu beträchtlichem Wohlstand gebracht und hart dafür gearbeitet. Er hatte sich immer bemüht, Verbesserungen einzuführen und Missstände zu beseitigen, nicht jedoch ohne seinen eigenen, bescheidenen Vorteil aus den Augen zu verlieren. Allen konnte man es ohnehin nie recht machen. Dennoch war ihm das Wohlergehen aller Bürger Romas stets am Herzen gelegen und was war nun der Dank für seine jahrelangen Mühen? Jetzt musste er um sein Leben fürchten!

Brachus kämpfte sich aus dem gut gepolsterten Sessel auf die Beine und ging rast- und ruhelos auf und ab. Er hatte keine Muße zu lesen oder sich seinen Schreibarbeiten zu widmen, denn seine Gedanken schweiften immer wieder ab. Wie hatte es nur so weit kommen können, dass er, der bekannte und beliebte Senator Brachus, nun in Angst leben musste? Die Situation im Senat hatte sich in den vergangenen Tagen erheblich zugespitzt. Brachus’ Forderung nach einem neuen Steuersystem für die Stadt hatte eine kontroverse Diskussion ausgelöst, bei der viele der reichen, alteingesessenen Ratsmitglieder um ihr Vermögen bangten. Brachus hatte großen Einfluss im Senat und Dank seiner Popularität auch in der Stadt. Es war allgemein bekannt, dass er Beschlüsse auch gegen Widerstand durchsetzen konnte. Leider war die logische Konsequenz, dass er nun sehr ernst zu nehmende Morddrohungen erhalten hatte. Wenn dem störrischen, mächtigen Senator offiziell nicht beizukommen war, dann eben auf hinterhältige Art und Weise.

Brachus hatte so etwas schon lange befürchtet, aber immer wieder verdrängt. Er war sich seiner Macht durchaus bewusst, wollte aber die Kehrseite der Medaille bislang nie wahrhaben, die wie eine große Zielscheibe auf seinem Rücken prangte. Doch nun hatte ihn die Wirklichkeit gnadenlos eingeholt. Der Senator blieb vor seinem Schreibtisch aus edlem Dunkelholz der Südstaaten stehen, auf dem neben unzähligen anderen Schriftrollen auch der letzte Drohbrief lag. Mit einer fahrigen Bewegung griff Brachus danach und überflog die hingekritzelten Zeilen erneut. Es ging klar daraus hervor, dass er seine törichte Idee mit dem neuen Steuersystem sofort fallen lassen solle, andernfalls würde man ihn grausam ins Jenseits befördern.

Erbost schnaubte der wohlgenährte Politiker beim Lesen und warf den Brief verächtlich auf seinen Arbeitstisch zurück. Neben Furcht empfand Brachus auch ungeheuere Wut, dass ihn jemand auf diese Weise beeinflussen wollte. Brachus wäre heute nicht derselbe, wenn er sich in der Vergangenheit so leicht hätte einschüchtern lassen!
Die Zimmertüre öffnete sich vorsichtig und ein Wachmann trat herein. Die prekäre Lage hatte den einflussreichen Senator dazu veranlasst, eine zehnköpfige Söldnertruppe zu seinem persönlichen Schutz anzuheuern. Selbstverständlich hatte sich Brachus nicht lumpen lassen und gutes Geld in seine Sicherheit investiert: Die erfahrene und gut ausgebildete Gruppe von sechs Männern und vier Frauen hatte schon in mehreren Kriegen gedient, zuletzt im besonders harten Tirukto-Feldzug von Kasabari.
Vor Brachus stand Quin, ein kräftig gebauter junger Mann, der es mit seinen erst sechsundzwanzig Jahren zum Anführer der Söldnertruppe gebracht hatte. Eine rotleuchtende, hässliche Narbe zerteilte sein Gesicht und wie durch ein Wunder war keines seiner Augen in Mitleidenschaft gezogen worden. Wie alle Leibwachen war Quin mit einem langärmeligen Kettenhemd sowie zusätzlichen metallenen Rüstungsteilen gut gepanzert, aber gleichzeitig nur wenig in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. An der linken Seite hing ein sichtlich gebrauchtes, schmuckloses Schwert in einer dafür vorgesehenen Halterung aus Lederriemen. Doch nicht das martialische Aussehen des Kämpfers verunsicherte Brachus, sondern der schwarze Dreitagebart. Wie konnte ein Mann nur unrasiert sein?
„Alles ruhig, Herr Senator.“ Der dunkle Bass des Kämpfers klang ruhig und entspannt. Für Quin war das Ganze nur eine weitere gut entlohnte Anstellung im harten Geschäft des Waffenvolkes.
„Danke, Quin“, erwiderte Brachus knapp und konnte dem Mann nicht ins Gesicht blicken. Er hatte das Gefühl, die kurzen Barthaare im Gesicht des Mannes wären kleine, sich windende Würmer und würden ihn, Brachus, jeden Augenblick anspringen.

Der Söldner verließ den Raum begleitet von klirrenden Geräuschen seiner Metallkleider. Brachus hatte alle halbe Stunde eine Lagemeldung an ihn angeordnet. Diese strenge Vorschrift galt heute aus gutem Grund, denn als einflussreicher Politiker hatte er sein weitverzweigtes Informantennetzwerk in der Stadt aktiviert und niederschmetternde Informationen erhalten: In zwielichtigen Kreisen munkelte man, dass heute Nacht im Hause Brachus ein Mord geschehen soll!
Ausgerechnet für den heutigen Abend hatte Brachus ein Treffen mit Tarim Halgoran vereinbart, Eigentümer des größten Handelshauses der Stadt Roma. Brachus hoffte auf Halgorans Unterstützung bei der möglichen Einführung eines neuen Steuersystems, daher wollte er sich Halgorans Hilfe zunächst einmal privat in einem vertraulichen Gespräch absichern. Es schien kein Zufall, dass genau heute Abend jemand ermordet werden sollte. Vielleicht wollte man sie sogar beide umbringen?

Brachus wanderte weiter ruhelos durch den Raum und sah zum hundertsten Mal zu seiner teuren Sanduhr, deren heller, feinkörniger Sand gerade die Marke der neunten Abendstunde passiert hatte. Halgoran hatte sich für die zehnte Abendstunde angekündigt, denn das Treffen war inoffizieller Art und sollte nicht unbedingt von jedermann bemerkt werden.
Der Senator ging zum Fenster und spähte nervös hinaus. Sein gut gepflegter, weitläufiger Garten lag zu dieser Tageszeit im Dunkeln, nur die Laternen seiner Leibwachen schienen auf ihren Patrouillengängen als helle Punkte in der Düsternis des wolkenverhangenen Nachthimmels. Die Anwesenheit der Wachleute auf seinem Grundstück sollte ihn eigentlich beruhigen, jedoch war Brachus trotzdem von einer unterschwelligen Furcht erfüllt, die sich einfach nicht abschütteln ließ. Und das zu Recht.

Kilian Braun 

Freitag, 27. Mai 2011

Lagebericht

Die monatlichen Blogeinträge sind leider etwas ins Stocken geraten, daher gibt es einfach mal einen kurzen Lagebericht:
  • "Randár - Die Schattenwelt" wird voraussichtlich im letzten Quartal 2011 erscheinen.
  • Ich habe eine Kurzgeschichte für einen Wettbewerb fertiggestellt und eingereicht. Der Einsendeschluss ist Ende Mai, dann heißt es Warten auf das Ergebnis.
  • Nach dem Buch ist vor dem Buch! Die nächste Randár-Geschichte ist schon in Arbeit und 7 Kapitel Rohtext sind bereits zu Papier gebracht.
  • Momentan drängt sich jedoch eine andere Story in den Vordergrund, die ich unbedingt inhaltlich notieren muss, damit sie nicht verloren geht. So gehen die Ideen nie aus! :)
  • Ich war beim "Gemischtwarentag in München", diesmal jedoch "nur" als Gast. Ich habe mir Lesungen angehört, um zu sehen, wie andere Autoren hier vorgehen. Es war sehr aufschlussreich!
  • Bezüglich einer eigenen Lesung habe ich mich für den mucCON beworben, einem Literatur-Con mit Schwerpunkt Fantasik. Ich hoffe auf eine Zusage!

Viele Grüße,
Kilian Braun

Sonntag, 10. April 2011

Die Magie in Randár

Nach der Erschaffung des Weltenballes aus dem Sphärenstaub stellte der Schöpfergott Ranhír fest, dass sein Werk schon bald von Magie durchdrungen wurde. Eine ungreifbare Kraft, die nicht nur die Geographie, sondern auch die Lebewesen in ihrer Entwicklung teilweise stark beeinflusste. Wie sonst ist es zu erklären, dass neben den Menschen auch noch Orks, Zwerge, Drachen, Elfen und Trolle existieren? Doch die Magie ist unparteiisch: Die bösen Ramak waren beispielsweise ebenfalls ein Ergebnis magischer Beeinflussung der Evolution. Jedes Volk nutzt die magische Kraft auf eine eigene Weise:

Die Menschen haben begonnen, sie zu studieren, niederzuschreiben und mittels Formeln und Gesten nutzbar zu machen. Wer als Kind eine Begabung für den Umgang mit der Magie aufweist (und die Familie genügend Kleingeld ihr Eigen nennt) kann an einer Magierschule die Zauberei erlernen.

Die Orks hingegen beschränken sich fast ausschließlich auf die Anrufung von Naturgeistern. Orkische Schamanen geben ihr Wissen an ausgewählte Stammesmitglieder weiter, wobei das Alter des angehenden Schamanen keine Rolle spielt, sondern vielmehr ein geeigneter Charakter. Im Gegensatz zu den Menschen wird die übernatürliche Kraft nicht zu einem bestimmten Effekt gezwungen, sondern die Geister werden zu einer Tat gebeten – diese Einfühlsamkeit würde man den grauhäutigen Wilden aus dem Karatorgebirge nicht zutrauen.

Die Zwerge sind ein Volk, welches die Magie im Grunde genommen nur indirekt nutzt. Den willentlichen Einsatz von Magie eines Zwergs hat es schon seit vielen Generationen nicht mehr gegeben. Die Tunnel der Zwerge sind von der magischen Pflanze Pal’lat durchzogen, welche ein mattes Licht ausstrahlt und somit für Beleuchtung sorgt. Der Legende nach haben Zwergenmagier ihr das Leuchten „beigebracht“, doch bewiesen werden kann das nicht.

Der Magiegebrauch von Drachen bleibt völlig unklar. Vielfach wird vermutet, dass die gewaltigen Tiere die magische Kraft zum Fliegen verwenden. Auch wird dem Feueratem eine magische Komponente nachgesagt. Da aber für einen Drachen kein Anreiz besteht, sich zu erklären, wird dies wohl immer unklar bleiben.

Die Trolle nutzen ein erstaunlich ähnliches Prinzip des Schamanismus wie die Orks. Sie haben jedoch wie die Elfen in erster Linie einen Überlebensnutzen entwickelt, so sind Trollschamanen beispielsweise mit der Unterstützung von passenden Pflanzen zu phänomenalen Heilungen in der Lage.

Die Elfen nutzen die Magie intuitiv in ihrem Alltag. Sie leben in einem Dschungelland und haben gelernt, mithilfe der Magie phänomenale körperliche Leistungen zu erbringen, beispielsweise das blitzschnelle Klettern oder das Laufen auf den Baumwipfeln.

Auch weiterhin beeinflusst die alles durchströmende magische Energie die Welt. Es bleibt abzuwarten, was sich noch mit ihrer Hilfe im Laufe der Zeit ergeben wird.

Kilian Braun

Donnerstag, 10. März 2011

Drachen & Zwerge

Zwerge und Drachen sind in der Fantasy so etwas wie Hund und Katz' oder sogar klassische Feinde. Auch in Randár ist das kleine Volk nicht gerade gut auf die fliegenden Lindwürmer zu sprechen und umgekehrt. Die Gründe dafür liegen jedoch mittlerweile derart weit in der Vergangenheit, so dass sie den meisten Zwergen nicht mehr geläufig sind. Die Furcht vor den Drachen wird als selbstverständlich hingenommen, was auch daran liegen mag, dass noch keine wirkliche Notwendigkeit bestand, die Situation zu überdenken - bis die Invasion der Ramak begann.

Der Zwergenhauptmann Dûrkosch sieht keine andere Möglichkeit, als die traditionellen Feinde um Beistand zu bitten. Drachen sind extrem langlebige Wesen und dennoch sind sie nicht nachtragend. Sie betrachten den Lauf der Dinge mit einem Weitblick, den kurzlebige Rassen nicht haben können. So ist es für den Drachen Razzharr nicht abwägig, zunächst den Zwergen anzuhören, welch tiefe Verzweifelung ihn in den Süden des Linken Splitters, das Reich der Drachen, getrieben hat. Eine kurze Leseprobe über die erste Begegnung findet sich im Blogeintrag zu den Drachen.

Die erste Begegnung für Dûrkosch läuft weitaus besser, als er zu hoffen gewagt hatte. Aber werden die Drachen den Zwergen im Kampf gegen die Ramak tatsächlich beistehen?

Text von Kilian Braun
Bild von Angelika Braun

Montag, 14. Februar 2011

Aus der Welt Randár: Ragnar, der Mystiker

Ragnar ist eine Person, um die sich mittlerweile zahlreiche Sagen, Legenden und Märchen im Reich der Menschen ranken. Einstmals war Ragnar ein Gelehrter und Geschichtenerzähler, war also gebildet, gehörte aber dennoch zum fahrenden Volk und gelangte somit zu einer gewissen Bekanntheit. Heute ist man sich nicht ganz sicher, ob Ragnar vielleicht sogar ein Magier gewesen ist, aber dafür gibt es keine handfesten Beweise.

Ragnar war schon als junger Mann ausgesprochen wissbegierig und „litt“ an Fernweh: Er verspürte einen schmerzhaften Drang, andere Länder und Völker zu sehen. Nachdem er als wandernder Geschichtenerzähler im Reich der Menschen eine gewisse Bekannt- und Beliebtheit erlangt hatte, konnte er sich endlich teure Schiffspassagen leisten. Er wurde zum Dauerpassagier der Windbrecher, einem schmucken Zweimaster. Als Ragnar und die Windbrecher nach einigen Jahren nicht mehr auftauchte, ging man davon aus, dass der Gelehrte auf einer seiner zahlreichen Entdeckerfahrten verschollen war. Als dann jedoch im Königreich Ulmia Berichte von erneuten Begegnungen auftauchten, war man sich dessen nicht mehr so sicher. Fakt ist jedoch, dass die Windbrecher nie mehr an einer Küste vor Anker lag. Sie tauchte auf und verschwand wieder, so wie Ragnar auch. Der beliebte Geschichtenerzähler konnte einen ganzen Tag an einem Ort verweilen und war am nächsten Tag nicht mehr auffindbar. Das verstärkte den Wirbel um seine Person und machte ihn gleichermaßen faszinierend und Furcht einflößend. Schon längst bezeichnete man ihn nicht mehr als Geschichtenerzähler, sondern als Mystiker. Er hatte Grenzen überschritten, hinter die Kulisse der Welt geblickt und Zusammenhänge erkannt, die den Völkern Randárs verborgen blieben.

Auf diese Weise ist Ragnar zu einem unergründlichen Mysterium Randárs geworden. Ein Weiser, eine Lichtgestalt, ein Traum. Meist erscheint er als einfach gekleideter alter Mann, wie auch Eodarn in der „Nachtbastion“, einem befestigten Gasthof außerhalb einer Stadt, gleich zu Beginn der Geschichte feststellen musste. Verwiesen sei an dieser Stelle auf die Leseprobe, in der Ragnar in Erscheinung tritt. Dass es nicht Eodarns letzte Begegnung mit Ragnar war, weiß der Krieger zu diesem Zeitpunkt noch nicht …

Kilian Braun

Sonntag, 16. Januar 2011

Aus der Welt Randár: die Menschen


Als der erbitterte Kampf der Götter das Land Randár verwüstete, zogen sich die Menschen in den Nordwesten des Landes zurück und bewohnen heute den westlichen Teil des Oberen Splitters. Sie gründeten ihre Siedlungen bevorzugt auf großen aber eher flachen Hügeln und errichteten darauf zunächst das Haus des „Stettmeysters“ (später Bürgermeister genannt). Die übrigen Behausungen wurden nach und nach um den Hügel herum gebaut. Im Laufe vieler Generationen wurde auf diese Weise das fruchtbare Gebiet rund um die großen Flüsse Bandanil und Durdanil besiedelt.

Die Menschen wollen und brauchen eine feste Hierarchie, an der sie sich orientieren können. Ihr Reich wird daher stets von einem König aus derselben traditionsreichen Königsfamilie regiert, welche die Nachkommen für den Thron stellt. Dem Gebieter des Menschenreiches Ulmia stehen die Fürsten der drei Fürstentümer Tarutar, Kirutar und Norotar zu Diensten, die Teile des Landes verwalten und des Königs Willen in die Tat umsetzen. Den Fürsten wiederum ist das einfache Volk untertan: Handwerker, Bauern und Händler. Hier gibt es im Grunde genommen keine Rangfolge mehr, doch bei den Menschen gilt derjenige als angesehen, der es zu einem gewissen Wohlstand gebracht hatte und diesen auch in Form von Kleidung, Haus und Hof zur Schau stellen kann. Wer von der Hand in den Mund lebt, wird von den Reichen eher als einfältiger Diener und Handlanger abgestempelt, auch wenn dies nicht selten voreilig geurteilt ist. Macht, Einfluss und Besitz spielt in den Augen der Menschen eine große Rolle.

Dank eines ausgeprägten Erfindergeistes können die Menschen einen gewissen Fortschritt vorweisen: hochwertige vielseitige Handwerkskunst, eindrucksvoller Städtebau, ein Währungssystem mit geprägten Münzen und Schuldscheinen und vieles mehr. Der Lauf der Dinge wollte es, dass vier der unzähligen kleinen Dörfer über viele Jahre hinweg zu eindrucksvollen Städten heranwuchsen, die heute mehrere Tausend Einwohner haben. Die großen Städte Ulmias wurden rasch zu den Zentren der drei Fürstentümer. Das auf der Hügelkuppe zentral gelegene Haupthaus war immer weiter ausgebaut worden und stets der Sitz des Fürsten. Ein möglichst prunkvolles und prächtiges Haupthaus, welches sich je nach Vorliebe entweder als Palast oder Burg darstellte, galt als sicheres Zeichen von Wohlstand und Reichtum.

Die Menschen erfreuen sich daran, das Land zu bestellen, Rohstoffe aus der Natur oder landwirtschaftlichen Betrieben zu gewinnen, diese zu verarbeiten und damit Handel zu treiben. Jedoch schlummert in Vielen die Habgier nach Gold und Macht und daher kommt es auch öfter zu handgreiflichen Konflikten zwischen den Fürstentümern. Ein friedliches Zusammenleben mit ihren unmittelbaren Nachbarn, den Orks aus dem riesigen Karator-Gebirge, ist ebenfalls nur schwer möglich. Die schwelenden Reibereien entwickelten sich schließlich zu einem offenen Konflikt. König Eodor wollte die Heerführung niemand anderem als seinem einzigen Sohn Eodarn überlassen, der in der „Halle des taktischen und fechterischen Kampfes zu Ulmutar“ eine ausgezeichnete Ausbildung genossen hatte. Eodarn reist in das gefährliche Grenzland und übernimmt die Verteidigung gegen die wilden Bergbewohner. Doch er ahnt nicht, welch wirkliche Herausforderung ihm noch bevorsteht …

Kilian Braun